von Nils Reiter
Lysistrata

An drei Abenden hat unsere Theater-AG ihre Inszenierung von Aristophanes’ „Lysistrata“ gezeigt – und knapp 600 Zuschauerinnen und Zuschauer waren dabei. Besonders bemerkenswert war dabei, dass das Stück bereits wenige Wochen nach Schuljahresbeginn aufführungsfähig war und die Gruppe nach der Sommerpause sehr schnell wieder zu einem gemeinsamen Spielrhythmus gefunden hatte.
Wie gut die Gruppe inzwischen zusammenarbeitet, zeigte sich auch unmittelbar vor den Aufführungen. Bei der Premiere sprang Lea kurzfristig ein. Am Freitag musste Liv sogar spontan einen Part übernehmen. Sie hatte ungefähr zwei Stunden Zeit, um Text zu lernen und ihre Einsätze zu proben, bevor sie am Abend gemeinsam mit dem Ensemble auf der Bühne stand. Neben den vielen starken Einzelleistungen war besonders schön zu sehen, wie geschlossen das Ensemble inzwischen auftrat. Larissa als Lysistrata und Svea als Lys prägten zwei sehr unterschiedliche Ebenen des Stücks, während Mathilda und Shirin als Regiefiguren immer wieder die Handlung unterbrachen und damit die Verbindung zwischen antiker Komödie und Gegenwart herstellten. Finn überzeugte als Probulos mit einem besonders gefühlvollen und zugleich sehr präsenten Auftritt, während Marnie und Theo als Myrrhine und Kinesias in ihrer intimen, komisch zugespitzten Szene viel Mut und Spielfreude zeigten – bis hin zu dem Moment, in dem Kinesias die Hosen fallen lassen musste. Auch Linus als Herold sorgte mit seinem Auftritt für viel Komik. Levke als Greisin gab dem Stück dagegen einen ganz anderen Ton: Sie rahmte die Handlung und führte gerade am Ende noch einmal aus der Komödie hinaus in einen nachdenklichen Moment.
Die Frauenrollen – gespielt von Nova, Liliana, Lea, Lilia, Anneke, Clara und Madelene – zeichneten das Bild starker, selbstbewusster Frauen, die sich gegen Krieg, Bevormundung und männliche Machtansprüche stellen. Besonders reizvoll war, dass mehrere Spielerinnen ganz selbstverständlich in Männerrollen schlüpften und so die rüpelhafte, laute und zugleich erstaunlich unsichere Männerhorde mitprägten. Ove, Ben Erwin, Johanna, Viktoria, Carlene, Madelene und Moritz sorgten mit ihren großspurigen Auftritten immer wieder für komische Momente. Eine besondere Rolle spielte außerdem der Chor mit Antonia, Luisa, Mira, Julia und Sophia. Die fünf kommentierten das Geschehen, griffen Szenen auf, verbanden unterschiedliche Ebenen und waren dabei harmonisch, präsent und mit großer Spielfreude unterwegs. Einen besonderen Akzent setzte ihre Interpretation von Herbert Grönemeyers „Männer“, mit der sie humorvoll die im Stück immer wieder auftauchenden Vorstellungen von Männlichkeit aufgriffen.
Auch hinter der Bühne lief sehr viel zusammen. Malin, Malou, Hendrik und Anna sorgten für die technischen Abläufe und schufen mit dem Licht immer wieder die passende Atmosphäre für die unterschiedlichen Szenen. Sophie hatte einen schlichten, aber sehr funktionalen Bühnenbau entwickelt, der sich im Verlauf des Stückes auf unterschiedliche Weise nutzen ließ. Marnie kümmerte sich zusätzlich um die Maske, Elisa und Sophie halfen als Souffleusen. Gerade diese Arbeit im Hintergrund ist ein wichtiger Teil der gesamten Aufführung.
„Lysistrata“ ist mehr als 2400 Jahre alt und wirkte an vielen Stellen trotzdem erstaunlich aktuell. Es geht um Krieg und Frieden, Macht, Rollenbilder, Verantwortung und die Frage, wer eigentlich entscheidet. Gleichzeitig ist das Stück sehr komisch und lebt von Übertreibungen, Tempo und körperlichem Spiel. Das Ende war bewusst anders. Die Theaterillusion wurde langsam aufgelöst, die Figuren traten zurück und aus der Komödie wurde noch einmal eine direkte Frage an die Gegenwart. Das Stück sollte nicht einfach nur lustig enden, sondern etwas zurücklassen.